Montag, 10. April 2017

Gastbeitrag Oliver Leersch: Social Media

Der Begriff „Fake News“ wurde in letzter Zeit durch politische Wahlkämpfe geprägt. Seit dem Aufkommen der Social-Media mit dessen einhergehenden weltweiten Vernetzung von Usern, ist das Verbreiten von falschen oder unwahren Nachrichten leichter wie nie zuvor. Dennoch ist zwischen mutmaßlich falschen verbreiteten Nachrichten und einfach nur fehlerhaft erstellten Nachrichten zu unterscheiden. Erstere werden meist zum Kundenfang, durch zum Beispiel Clickbaits, oder von politischen Lagern zur Stimmungsmache verbreitet. Ziel ist dabei das gezielte Desinformieren oder die persönliche Bereicherung. Fehlerhafte Übersetzungen oder Tippfehler können zur zweiten Art der „Fake News“, den fehlerhaften News, führen. Diese unterscheiden sich von den mutmaßlich falsch verbreiteten Nachrichten durch ihre fehlende Intention, wissentlich falsche Information zu verbreiten, und können im Journalistischen Alltag immer wieder passieren. (derstandard.at)

Folgende zehn Strategien, die zum Teil aus folgendem Artikel von derstandard.at stammen, sollen dabei helfen, falsche oder unwahre Informationen zu erkennen:

Reißerische Titel

Ist ein Titel einer Story besonders reißerisch aufgemacht, so sollten die ersten Alarmglocken schrillen. Titel wie zum Beispiel „Ein Komet rast auf die Erde zu!“ oder „KREBS-ANGST!“ können ein erstes Anzeichen für einen, auf den Titel folgenden, nicht besonders gut recherchierten Artikel sein. Durch solche Titel sollen Emotionen geschürt und Leute zum Lesen animiert werden. Dabei spielt auch immer der Umgang mit den persönlichen ureigenen Ängsten eine zentrale Rolle. Daher merke: Reißerische Titel hinterfragen.

Fehlende Quellenangaben

Der nächste Punkt um unwahre Informationen zu erkennen, liegt in den fehlenden Quellenangaben zu behaupteten Fakten. Werden in einem Artikel Fakten dargebracht, so ist es in der journalistischen Arbeitsweise Usus, dass die Quellen zu diesen Fakten angegeben werden. Fehlt die Quellenangabe so kann dies darauf geschlossen werden, dass sich der Autor die Zahl ausgedacht oder falsch interpretiert hat. So kann dann aus einem Familienstreit eine weitumspannende Familienfehde mit Hunderten involvierten Mitgliedern werden oder aus dem Verlust einer Geldbörse wird ein Bankraub mit Geiselnahme.

Fragwürdige Quellen

Quellen sind nicht gleich Quellen. Ein Tweet einer Person ist noch keine verlässliche Quelle für stichhaltige Hintergrundinformationen. Auch ein Post auf Facebook, und sei es auch der eines Politikers, ist ebenso keine gute Quelle für Informationen. Nachrichtenportale, die in akribischer Kleinstarbeit Informationen sichten, wie zum Beispiel die Austria Presse Agentur APA oder wissenschaftliche Publikationen stellen eher vertrauenswürdige Quellen dar. Generell gilt, Quellen immer zu hinterfragen. Gute Quellen halten dabei jeglicher Prüfung stand, wohingegen fragwürdige Quellen meist bereits bei der ersten kritischen Betrachtung in sich selbst zusammenfallen.

Verschwörungstheorien

Werden Verschwörungstheorien als Wahrheiten dargebracht, so lässt dies auf nicht allzu seriösen Journalismus schließen. Nachrichten wie „Wir waren NIE auf dem Mond!“, „Die Erde ist flach! Hier die ganze Wahrheit!“ oder „Die Echsenmenschen sind unter uns! Rette sich wer kann!“ können meist schon innerhalb kürzester Zeit als falsch enttarnt werden. Verstecken sich die Verschwörungstheorien aber im laufenden Text eines Artikels, so kann es mitunter schwer werden, diese als solches umgehend zu erkennen. Hier ist es besonders wichtig, dubiose Fakten zu hinterfragen und gegebenenfalls den eigenen Verstand zu aktivieren. Verschwörungstheorien sind dabei meist so fantastisch, dass nur eine kurze Denkpause von Nöten ist, um diese zu entlarven.

Emotionale Sprache

Ist der Artikel in einer emotionalen und aufgebrachten Sprache verfasst, so lässt dies auf einen persönlichen Bezug des Verfassers zum Beitrag schließen. Dieser persönliche Bezug des Autors verhindert aber eine objektive Berichterstattung. Da diese objektive Betrachtung jedoch essentiell für einen guten journalistischen Beitrag ist, kann eine zu emotionale Sprache als Ausschlusskriterium herangezogen werden.

Rückführende Bildersuche

Auf images.google.com lässt sich durch Angabe der URL des Bildes umgehend feststellen, ob das in der Nachricht verwendete Bild, schon früher einmal verwendet wurde. Des Weiteren lässt sich dadurch auch feststellen, ob das Originalbild verändert wurde. So lassen sich manipulierte oder fälschlich verwendete Bilder im Handumdrehen enttarnen. Verwendet eine Nachricht gefälschte, oder in einem anderen Kontext stehende, Bilder, so kann davon ausgegangen werden, dass es sich um eine vorsätzlich falsche Nachricht handelt, deren Informationsgehalt keiner Beachtung würdig ist.

Suchportale zu Falschmeldungen

Im Internet gibt es eine Reihe von Suchportalen zu Falschmeldungen. Unter http://hoaxmap.org/ findet man eine große Anzahl an Falschmeldungen zum Thema Flüchtlinge. Unter http://hoaxsearch.com/ kann man nach Falschmeldungen suchen und das Portal http://www.mimikama.at/ beschäftigt sich ausgedehnt mit Fehlinformationen. Aber auch hier gilt der Grundsatz der Skepsis, denn auch hinter diesen Portalen stehen Menschen, die Fehler machen können oder eigenen Interessen gegebenenfalls vertreten.

Youtube Data Viewer

Mit Hilfe des Youtube Data Viewer, den man unter https://www.amnestyusa.org/sites/default/custom-scripts/citizenevidence/ aufrufen kann, lassen sich die Metadaten eines Youtube Videos einsehen. So kann man zum Beispiel sehr schnell erkennen, wann ein Video hinaufgeladen wurde. Heißt dann ein Video zum Beispiel „Unglaublicher Flugzeugcrash in Graz am 7.1.2017“ und der Youtube Data Viewer ergibt einen Originalupload am 13.5.2015, so ist die Falschmeldung enttarnt. Des Weiteren lassen sich mit diesem Tool Thumbnails aus dem Video abrufen, mit denen man durch die rückführende Bildersuche die Echtheit des Videos zusätzlich überprüfen kann.

Hilfreiche Tools

Unter http://verificationjunkie.com/ findet man hilfreiche Tools, die das Enttarnen von Falschmeldungen erleichtern sollen. Diese kleinen Hilfsprogramme können eine Erleichterung darstellen, geben aber keine hundertprozentige Sicherheit, dass eine News nicht doch falsch ist. Deshalb kommt jetzt noch der wichtigste Punkt.

Immer skeptisch sein

Wer immer skeptisch ist und mit beiden offenen Augen umsichtig durch die Welt geht, der ist am besten vor Falschmeldungen gefeit. Es sollte immer jede, auch wenn sie noch so offensichtlich ist, Tatsache hinterfragt und auf deren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Dies gelingt am Einfachsten, wenn man immer skeptisch bleibt, da dieser Skeptizismus auch direkt ein Hinterfragen miteinschließt. Gerade gutgläubige Personen lassen sich viel zu oft von sogenannten Fake News beeinflussen, da dies auch meist den einfacheren Weg darstellt. Wer sich aber nicht hinters Licht führen lassen will, der sollte sich immer eine gesunde Portion Skeptizismus aufbewahren.

Gastbeitrag Sandra Heibl: 10 Strategien zu Informationsmanagement und Erkennen von Fake News

In der heutigen Zeit stehen uns Unmengen an Informationen zu Verfügung und tagtäglich werden sie mehr. Nicht nur mit dieser Menge umzugehen ist eine Herausforderung für uns, sondern auch richtige von falschen Informationen zu trennen. Fake News oder Hoax sind unwahre Nachrichten, die sich als echte tarnen. Um mit dieser Nachrichtenflut besser umgehen zu können und um Falschnachrichten entlarven zu können, habe ich hier 10 hilfreiche Strategien gesammelt.

Für weitere und ausführlichere Informationen dazu sind mimikama.at und die Broschüre „Wahr oder falsch: Hoaxes, bearbeitete Bilder und Fake News“ der ISPA (Internet Service Providers Austria – Verband der österreichischen Internet Anbieter), veröffentlicht am 7.2.2017, sehr zu empfehlen.

Strategie 1: Sich entscheiden

Da es nicht möglich ist, alles zu lesen oder zu wissen, müssen wir uns entscheiden und Informationen aussortieren. Man sollte sich daher folgende Fragen stellen:
  • Was sind meine Interessen?
  • Was will ich wissen oder lernen?
  • In welchen Themen reicht mir ein Überblick?
  • In welchen Themen möchte ich genauer beschied wissen?
Auch das WIFI Unternehmerservice der WKO hat eine hilfreiche Broschüre mit vielen Tipps zum Thema „Wissensmanagement für KMU“ herausgegeben.

Strategie 2: Maßnahmen setzen

Egal ob unaufgefordert erhalten oder selbst gesucht; Informationen und Nachrichten prasseln täglich von allen Seiten auf uns ein. Daher müssen wir unsere Informationsquellen ab- oder ausbauen und uns überlegen, wie wir diese organisieren. Auch Barbara Geyer-Hayden (@barbarageha) hat auf ihrem Blog nützliche Tipps dazu. Einige davon möchte ich natürlich auch hier erwähnen.

Hier ein paar Anregungen:
  • E-Mail Management: E-Mails filtern (von B. Geyer-Hayden), unnötige Newsletter abbestellen oder auf die Blacklist setzen
  • Zeitbegrenzung: sich einen fixen Zeitrahmen vornehmen, in dem man Nachrichten aufarbeitet
  • gezieltes Lesen: sich bei unwichtigen Nachrichten nicht mit Details verlieren
  • Veraltetes aussortieren: Artikel, die man aufgehoben hat oder Links, die man zum späteren Lesen gesammelt hat, reduzieren oder zusammenfassen
  • Filter in sozialen Netzwerken verwenden: Freunde oder Seiten, von denen man Informationen erhalten will, in eigene Listen einordnen (von B. Geyer-Hayden) oder Favoriten festlegen
  • Personalisierte online Magazine verwenden: in diesen Magazinen können Artikel und Beiträge aus Blogs, sozialen Netzwerken, Newsseiten oder sogar Apps zusammengefasst angezeigt werden. Einige Beispiele: Flipboard, Scoop.it!, Netvibes. Um eine große Anzahl an Webseiten/ Blogs etc. zu betrachten, eignen sich RSS Feeds sehr gut (von B. Geyer-Hayden)

Strategie 3: Skeptisch sein

Hat man nun endlich die Flut an Informationen organisiert, gilt es nicht auf Falschmeldungen hereinzufallen. Das erste Hilfsmittel dagegen ist Skepsis. Man sollte Inhalte, die einem merkwürdig vorkommen, immer hinterfragen. Natürlich muss man nicht immer jedes Detail prüfen, aber grundsätzlich sollte man sich fragen, ob man einer Information traut oder nicht. Vor allem sollte man sich diese Frage stellen, bevor man einen Betrag teilt. SWR3.online empfiehlt, bei besonders bedenklichen Beiträgen sogar die Polizei zu verständigen.

Strategie 4: Quelle prüfen

Ist bei Meldungen oder Berichten keine oder nur eine unseriöse Quelle zu finden, z. B. Aussage eines ‚anonymen Mitarbeiters‘, so kann dies laut den ISPA ein Hinweis auf Fake News sein. Zusätzlich ist es zu beachten, auf welcher Seite man sich bewegt. Die Inhalte in einem Blog basieren stärker auf Meinungen als auf einer Presseseite.

Strategie 5: Text analysieren

Zufolge den ISPA kann auch der Nachrichtentext an sich einige Hinweise geben. In Fake News werden oft übertriebene, einseitige Darstellungen verwendet, die auch nicht ausreichend erklärt werden und meist vollkommen aus dem Kontext gerissen sind. Schlagwörter wie ‚Skandal‘, ‚Warnung‘ oder ‚Sensation‘ werden oft verwendet. Auch ungenaue Zeitangaben wie ‚gestern‘ oder ‚letzten Freitag‘ können ein Anzeichen sein. Die Darstellungen sind oft sehr kurz und beinhalten hauptsächlich Meinungen. Häufig werden auch bekannte Personen oder Organisationen genannt, die den Text glaubwürdig erscheinen lassen sollen. Auch Schreibfehler, nicht funktionierende Links oder Werbung mitten im Text können auf Fake News hinweisen.

Strategie 6: Der Verfasser

Die ISPA stellen fest, dass unterschiedliche Verfasser unterschiedlich glaubwürdig sind. Einer Behörde wird meist mehr Glaubwürdigkeit geschenkt als einer Privatperson. Im Impressum kann man Angaben zum Verfasser finden. Ist kein Impressum vorhanden oder sind die Angaben zum Verfasser oder dessen Adresse anonym oder nicht nachvollziehbar, so sollten laut Andre Wolf, Mitarbeiter des Vereins Mimikama, die Beiträge der Webseite oder des Blogs infrage gestellt werden. Unter www.whois.net kann man den Inhaber einer Webseite herausfinden.

Strategie 7: Gegencheck Texte

Eine weitere Möglichkeit zu Überprüfung einer Meldung, empfohlen von Andre Wolf und den ISPA, ist sie mit anderen Medienseiten abzugleichen (Google Suche News). Wenn mehrere Journalisten zum selben Inhalt Artikel verfasst haben, so wird die Glaubwürdigkeit größer. Gibt es jedoch immer wieder nur dieselbe Meldung, oft sogar im selben Wortlaut, so kann dies auf eine Falschmeldung hindeuten.

Strategie 8: Gegencheck Bilder

Sowohl Andre Wolf, die ISPA als auch bei SWR3.online wird bestätigt, dass auch Bilder auf diese Weise überprüfen werden können. Bilder zu bearbeiten ist heutzutage sehr einfach und somit können schnell Falschmeldungen kreiert werden. Auch wenn ein Bild nicht zum Text, ein Text nicht zum Bild passt oder das Bild oder Text gar nicht mehr aktuell zu sein scheint, so sollte dies überprüft werden.
  • Tool zur Abfrage von Bildmetadaten (Aufnahmeort, Zeit etc.): Exfidata

Strategie 9: Gegencheck Videos

YouTube Videos können ebenfalls Falschmeldungen enthalten. Um diese zu überprüfen, können laut SWR3.online die hinterlegten Vorschaubilder analysiert werden, um herauszufinden, ob diese bereits an anderer Stelle verwendet wurden.

Strategie 10: Gegencheck Social Media

Auch in den Social Media wie Facebook oder auf WhatsApp werden regelmäßig Falschmeldungen verbreitet. Aber auch diese können meist mit Gegenchecks z. B. über Google Suche überprüft werden.

Wurden Meldungen bereits als Falschmeldung deklariert, so kann man sie auch hier suchen: <
Für weitere Fragen oder zur Meldung von Falschmeldungen kann man sich per Kontaktformular an Mimikama wenden.


10 Strategien zu Informationsmanagement und Erkennen von Fake News von Sandra Heibl ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Gastbeitrag Marina Faffelberger: News oder Fake-News? Den Unterschied erkennen.

Woher bekommst du deine Informationen über aktuelle Vorgänge und Themen? Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA spielten Social Media eine große Rolle: Bots (automatische Softwares) posteten Pro-Trump Tweets und Facebook Beiträge. Auch beim Brexit waren Bots im Spiel. Solche automatisierten Accounts manipulieren uns Statistiken zufolge ziemlich erfolgreich und seien wir einmal ehrlich: Ist es nicht so, dass wir den Großteil von aktuellen Informationen über Facebook erhalten? Leider zirkulieren dort aber nicht nur vertrauenswürdige Nachrichten... Um Fake-News nicht aufzusitzen kannst du Folgendes tun:

Habe gesundes Misstrauen

Zu allererst: Glaub nicht allem was du liest, hörst und auf Bildschirmen siehst. Nur weil du einen Artikel über einen Vorfall im Internet liest, muss es noch lange nicht wahr sein. Oft schüren Fake-News Ängste und Befürchtungen, wie z.B. mit Nachrichten zur Flüchtlingsdebatte oder Ähnliches. Vorsicht bei Geschichten von denen sonst in keinem anderen Medium berichtet wird.

Bedenke: Es gibt auch Satire Nachrichten

Nicht alle Fakes sind bösartig, es gibt beabsichtigt unterhaltsame, sarkastische Nachrichten die durchaus von seriösen Medien stammen können. Also: beim Lesen das Hirn einschalten und aus dem Kontext ableiten können, dass der Ton der Nachricht einfach nur sarkastisch und unterhaltsam sein soll.

Auf Details achten

Achte auf kleine Details wie Namen von Personen oder Organisationen im Internet und recherchiere sie. Oftmals werden klitzekleine Veränderungen an Organisationen oder Namen verändert, wie z.B. in einer Fake Nachricht über den Tod der Queen laut „BBC News (UK)@BBCNewsUKI“, wo in winziger Schrift zu UK noch ein I hinzugefügt wurde. Falls vorhanden, öffne Links zu bekannten Medien um in der Originalquelle nachzulesen – sollte der Link ins Leere führen, ist die Nachricht nicht ernst zu nehmen. Überprüfe auch stets das Datum (besonders von Fotos oder Videos), denn ein beliebter Trick ist es, alte Geschichten neu zu verpacken.

Suchmaschinen verwenden

Um eine Nachricht von sozialen Medien zu überprüfen reicht oft eine schnelle Suche des Hauptthemas in Google aus. Bekommst du z.B. eine Nachricht auf WhatsApp über einen vermeintlichen Virus, dann kannst du das als Suchbegriff auf Google oder auf hoaxsearch eingeben und dadurch Fakes entlarven.

Fotos genauer unter die Lupe nehmen

Woher Fotos stammen lässt sich durch eine Rückwärtssuche über Google feststellen: dazu brauchst du einfach nur ein Bild anklicken, kopieren und bei Google in der Suchleiste auf das Bildsymbol (Bildersuche) drücken. Hier kannst du dann das Bild einfügen, der Bild-URL wird automatisch eingefügt. Ähnliche Fotos, bzw. das Vorkommen desselben Fotos wird somit überprüft, du kannst dadurch herausfinden, ob es z.B. 2004 schon einmal aufgetaucht ist - dann kann etwas nicht stimmen. Manipulationen bzw. Foto Retuschen kannst du auf die gleiche Weise über Foto Forensics oder Izitru ausfindig machen.

Videos überprüfen

Auch Videos können nach demselben Prinzip wie Fotos überprüft werden, beispielsweise mit YoutTube Data Viewer. Wenn du es noch genauer untersuchen möchtest, kannst du via Google Earth die Landschaft ansehen und prüfen ob sie zum genannten Ort passt, oder noch freakiger: du kannst auf der Seite Sonnverlauf den Schatten zu einer gewissen Uhrzeit ausrechnen und überprüfen ob dies im Video richtig angezeigt wird.

Wer steckt dahinter?

Am wichtigsten ist jedoch immer die Frage wer hinter der Nachrichte steckt, denn schlussendlich sind die meisten News mit irgendeiner Ideologie gefärbt. Seriöse Seiten geben ihre Herkunft bekannt, das Impressum sollte also auf jeden Fall zu finden sein. Vorsicht ist geboten, wenn kein Autor oder keine Quelle genannt ist.

Verifizierung durch soziale Medien prüfen

Wie bereits erwähnt, es ist wichtig zu wissen, wer hinter einer Nachricht steckt. Bei Facebook und Twitter werden verifizierte Accounts mit einem weißen Haken auf blauem Hintergrund symbolisiert. Somit kann man sichergehen, dass du es nicht mit einem Bot zu tun hast.

Kettenbriefe hinterfragen

Es sollte dich stutzig machen, wenn du eine Meldung unbedingt so schnell wie möglich an alle deine Kontakte weiterleiten sollst. Falschmeldungen, wie der Ute-Christoff Kontakt auf Whatsapp, gehören zu den sogenannten Hoax und sind erlogen. Wie vorhin erwähnt, kannst du solche News mit der Suchmaschine hoaxsearch überprüfen.

Fake News melden

Solltest du eine Fake-Nachricht entdeckt haben, dann vorerst HERZLICHE GRATULATION! Es wäre doch ideal, wenn du dieses Wissen teilst, die Nachricht auf keinen Falls auf Facebook teilst und sie stattdessen auf hoaxsearch meldest um andere vor Manipulation zu schützen.



News oder Fake-News? Den Unterschied erkennen von Marina Faffelberger ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Strategien und Trampelpfade: der Nachrichtendschungel

Wir alle wissen, wie schwierig es zurzeit ist, sich im Nachrichten- und Informationsdschungel zurechtzufinden. Es gibt Menschen und Medien, die bewusst Falschmeldungen streuen, sogenannte Fake News, Hoaxes oder Ähnliches. Es gibt Bots, die Nachrichten schreiben. Das sind keine Menschen, sondern Maschinen. Ob Mensch oder Maschine, ist in den meisten Fällen und auf den ersten Blick nicht mehr zu unterscheiden. Jöran Muuß-Merholz (@joeranDE) hat hierzu ein kompaktes, kurzweiliges und zu empfehlendes Interview für ZDF heute+ gegeben.

Der erste Blick, er macht aber den Unterschied aus. Beim Scrollen durch die Timeline wird der Blick auf reißerische Titel, schöne Bilder und speziellen Content, Katzen und Babys beispielsweise, gelenkt.

Quelle: Pixabay (CC0)
Erst der zweite Blick verrät aber die Wahrheit hinter der schönen Verpackung… Lassen wir uns aber auf den zweiten Blick überhaupt ein? Leben wir nicht in einer Zeit der Mikro-Inhalte, in der Menschen für die tiefe Lektüre gar keine Zeit mehr haben? Oder sich ob der Fülle an Informationen überfordert fühlen? Umso wichtiger ist es, Strategien zu entwickeln, im Nachrichtenwirrwarr den Überblick nicht zu verlieren, relevante von irrelevanten und falsche von richtigen Nachrichten zu identifizieren, um keinen Fake News oder Alternativen Wahrheiten aufzusitzen.

Um derartige Strategien geht es in den folgenden drei Gastbeiträgen auf diesem Blog. Entstanden sind sie im Zuge eines Take Home Exams, das mein Kollege Gerald Geier (@elgerinio) und ich im letzten Semester in einem Kurs an der Universität Graz gegeben haben. Der Kurs hieß Lernen und Arbeiten mit digitalen Technologien: Herausforderungen und Potenziale und hatte sich zum Ziel gesetzt, unterschiedliche Trends und Möglichkeiten des Lernens und Arbeitens mit Technologien aufzuzeigen, zu besprechen und vor allem kritisch zu betrachten.

Quelle: Pixabay (CC0)

Eine Aufgabe der Abschlussklausur bestand darin, zehn Strategien zu formulieren, wie man eben der Masse an Informationen Herr (oder Dame) wird. Drei der Beiträge darf ich nun, mit dem Einverständnis der Studierenden, hier veröffentlichen. Sie haben die Aufgabe wirklich wunderbar erfüllt und Anleitungen geschrieben, die ich so vielen Menschen in die Hand geben möchte.

Ein herzliches Danke an (in alphabetischer Reihenfolge) Marina Faffelberger, Sandra Heibl und Oliver Leersch für die Beiträge.

Donnerstag, 30. März 2017

Kritik ist gut, aber...

Wenn ein Lehrer, der mit seinem Unterricht andere Wege geht, auf einen Blogpost ungewohnte Kritik erntet, dann hat das sicherlich seine Gründe. Das Netz im Allgemeinen und die Community im Speziellen können beinhart und kritisch sein. Und das ist auch irgendwie gut so, wenn der Ton der richtige bleibt. Kritisches Denken und Kommunikation, das sind zwei der #4Kde (die deutsche Version der 4C), die da so herum schwirren als die Kernkompetenzen des 21. Jahrhunderts.

Quelle: Pixabay (CC0)
Stein des Anstoßes war dieser Tweet mit einem Blogartikel (die Reaktionen kann jede/r auf Twitter nachlesen - dafür einfach auf das Bild quasi klicken):


Der Titel: 7 Wege, die den Unterricht verändern (können), der Autor: Sebastian Schmidt, besser bekannt als @FlippedMathe. Die Reaktionen auf den Tweet kann jede/r direkt auf Twitter nachlesen. Ein zweiter Diskussionsstrang ergab sich hier - und auch hier kann die gesamte Diskussion auf Twitter nachgelesen werden.
Und ich denke, ich weiß, wieso die Wogen hochgegangen sind. Es gibt da zwei Gruppen: Die einen freuen sich über Ideen und Anregungen für den konkreten Unterricht. Die anderen stoßen sich am Wording, an der formalen Ebene und hinterfragen die Sinnhaftigkeit derartiger „Rezept-Blogposts“. Und wisst ihr was: Beide haben Recht. Ich bin keine Freundin von Entweder-Oder. Ich mag Sowohl-als-Auch. Soviel vorweg.

Die Ideen, die Sebastian Schmidt beschreibt, sind Unterrichtsrezepte. Es sind keine Tools, es sind keine Apps, es sind keine Technologien (außer man verfolgt einen Foucault’schen Ansatz). Und naja, es ist auch keine digitale Bildung. Was soll an Bildung digital auch sein? Und, es sind auch keine Tools oder Werkzeuge oder Szenarien, die den Unterricht verbessern können, oder besser machen oder sonst einen Effekt haben. Ich könnte Hattie zitieren und seine Sicht über die Rolle der Lehrperson für den Lernprozess. Ich könnte den aktuellen Post des wunderbar inspirierenden Philippe Wampfler (@phwampfler) anführen, der darüber sinniert, Sich selber überflüssig machen (zu können) im Unterricht. Denn darum geht es doch im Grund irgendwie, dass wir Lehrenden eine unter vielen Quellen sind, die die Schüler/innen in ihrem Netzwerk anzapfen können. Gelebter Konnektivismus.

Ich mag ja auch den Begriff Unterricht nicht (hat was von einer Oben-Unten-Hierarchie) und auch den Lehrkörper oder die Lehrperson. Ich mag so viele Begriffe nicht. Die neuen Medien. Was ist neu? Und wann waren die neu? Für wen denn eigentlich? Den Mehrwert von Tools oder Werkzeugen oder Methoden. Wenn ich das schon lese/höre/sehe... Da geht es mir wie Axel Krommer (@mediendidaktik_), den ich so schätze, und der sich dazu schön kompakt geäußert hat.

Aber um Begrifflichkeiten geht es doch gar nicht, oder? Geht es nicht darum, den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten und zu schauen, was für seine eigenen Schüler/innen passt und funktioniert? Geht es nicht darum, Schüler/innen in die Selbstorganisation zu entlassen? In die Selbstständigkeit? Müssen wir nicht Unterrichtsparadigmen neu denken? Ist es nicht so, auch als Lehrende/r mal Fehler machen zu dürfen, Dinge ausprobieren zu können, diese dann zu reflektieren (ich verwende bewusst „Dinge“).

Quelle: Pixabay (CC0)

Genau aus dem Grund finde ich den Beitrag von Sebastian Schmidt gut. Weil er eigentlich sagt, ich muss nicht dem neuesten Trend folgen, auf jeden Trend aufspringen, jedes Tool einsetzen, nur weil es gerade hip oder cool oder nice oder was auch immer ist. Weil er auch von seinen Erfahrungen in Fortbildungen mit Lehrerinnen und Lehrern spricht. Ich muss wissen, wie ich zu meinen Lehrzielen komme und wie ich meinen Schülerinnen und Schülern helfe, ihre Lernziele zu erreichen (wieso wird eigentlich so selten zwischen Lehr- und Lernzielen unterschieden? können/dürfen die Schüler/innen auch eigene Lernziele verfolgen?). Viel wichtiger wäre es ja doch, in meinen Augen, dass wir die Lehr- und Lernziele ein wenig überdenken. Und zwar vor dem Hintergrund der #4Kde. Ich sehe immer wieder, dass Studierende an die Uni kommen und keine eigene Meinung haben. Oder sie schon haben, sich aber nicht trauen, diese zu äußern, weil sie könnte ja falsch sein. Sie könnte in die Beurteilung einfließen. Wir trainieren unsere Schüler/innen und auch Studierenden in ihren Kompetenzen (welche noch gleich?). Was wir oftmals aber machen, ist ein Training to the Test.

Quelle: Pixabay (CC0)
Und bevor sich jemand beschwert: Wieso hat sich der QR Code, eine, wie ich finde, äußerst praktische Sache im Sinne eines Seamless (Mobile) Learning Wunsches, nicht durchgesetzt?

Ja, ich würde auch gerne empirisch/wissenschaftlich erheben, wieso Dinge so funktionieren, wie sie funktionieren. Wieso ist beispielsweise das behavioristische Format hinter Kahoot! so spannend? Wieso verfallen sowohl Lehrer/innen als auch Schüler/innen diesem „Format“, das so neu nicht ist? Das ist doch wieder ein Training to the Test, ein bloßes Ankreuzeln oder Antippen. Wo ist die kognitive Leistung dahinter? Wo ist das Nachdenken, das Reflektieren?

Gerade, während ich schreibe, hat Axel Krommer dazu einen schönen Tweet verfasst, der irgendwie dazu passt:
Was lernen die Schüler/innen? Sie lernen die richtige Antwort (hoffentlich) schnell zu tippen. Sie lernen das Format. Sonst noch was? Ich würde meinen, ja: Sie lernen das schnelle Lesen. Vielleicht sogar sinnerfassend. Und was ich schon sehe, und darüber freue ich mich persönlich, sie beschäftigen sich mit meinem Fach (sorry für die Formulierung, die ist natürlich auch ungeschickt). Und wenn sie sich kognitiv nicht anstrengen, dann vielleicht affektiv. Ich versuche die Lerner/innen für Französisch und Italienisch zu begeistern, was (nicht immer) so einfach ist. Ich bin froh, wenn ich hier eine Unterstützung habe, auch wenn es „nur“ Kahoot! ist. Ich bin froh, wenn jemand nicht die Augen überdreht, wenn ich sage: „Ich bin Lehrerin. Meine Fächer sind Französisch und Italienisch.“


Wenn mit „altes System“ gemeint ist, dass wir Lehrende den Inhalt produzieren und die Lerner/innen nur konsumieren, dann: JA. Wenn es darum geht, dass es sich bei Kahoot! um eine Lehrendenzentrierung geht, dann: JA. Wenn es darum geht, dass wir auf einen Test hin trainieren, dann: JA. Aber es macht dennoch Spaß, baut Ängste ab, bricht vielleicht auch Hierarchien auf.

Quelle: Pixabay (CC0)
Und noch etwas, um auf den Blogpost zurückzukommen: Interessant sind diese Tipps ja nicht nur für uns Lehrende, sondern vor allem und gerade für die Lernenden. Sie können genauso mit QR Codes arbeiten, sie können ebenso Videos produzieren. Sie sollten sich ebenso Wege überlegen, wie man sich mit Hilfe analoger und digitaler Medien und passender Methoden organisieren kann. Auch sie können Materialien von anderen verwenden, wenn sie sie kritisch hinterfragen (und richtig zitieren). Auch sie können gemeinsam an etwas arbeiten – denn das ist, so meine ich, die Zukunft. Die Lerner/innen sollen nicht konsumieren sondern produzieren. Sie sollen aktiv sein, kreativ und kritisch. Sie sollen miteinander und auch mit Menschen außerhalb kommunizieren oder sogar kollaborieren. Das wäre mein Ansatz, vielleicht ist es ein hehrer, aber ich versuche ihn, gemeinsam mit den Lernerinnen und Lernern, die zu mir kommen, zu leben. Und sich da über einzelne Begriffe zu ärgern oder sich an ihnen zu stören… Es geht doch um die Idee, das Ziel dahinter. #IdealistinAmWort

Als Idealistin sage ich: Absolut. Als Didaktikerin sage ich: Werkzeuge dürfen meine Entscheidungen nicht leiten. Die Lehr- und Lernziele sind es und die Methode, die ich wähle. Als Praktikerin sage ich: Praktisch sind die Tools schon (Toolsammlungen sind ja immer gern gelesen und geschrieben). Als ich sage ich: Es geht darum, wie ich etwas einsetze. Egal ob digital oder analog, iOS oder Android (oder Windows, Mist – schon da funktioniert das Binäre nicht), Mathe oder Sprachen, Palliativ oder Präventiv (oder was wäre ein mögliches Antonym?). Ich lese mir Toolsammlungen durch, um zu sehen, was andere so machen. Auch in anderen Fächern, um die Scheuklappen abzunehmen. Ich lese aus diesem Grund auch Blogs. Ich lass mich inspirieren, freue mich über die Kreativität der anderen. Aber ich bleibe kritisch, schaue, was ich wie für meine Lerner/innen für meine Art und Weise des Unterrichts einsetzen kann. Ich kommuniziere mit anderen – deshalb auch eine der #edupnx – und ich arbeite gerne mit anderen zusammen. Und über diese Erfahrungen blogge ich dann wieder. Weil vielleicht andere auch von mir lernen wollen und meinen Fehlern und Erfahrungen. So schließt sich für mich der Kreis.

Mittwoch, 15. März 2017

Die Suche nach der Identität…

… oder vielleicht auch nur einer Plattform oder einem Sprachrohr. Vielleicht auch die Suche nach dem Textmarker. Hashtags haben unterschiedliche Funktionen. Sie helfen jedoch eindeutig in der Welt von Twitter und Co den Überblick zu behalten. Ich folge einigen Menschen sehr aktiv, vor allem aber folge ich Hashtags, die mir thematisch zusagen. Lange Zeit war der Hashtag #EDchatDE für mich der Nabel meiner Publikationen. Die Tagcloud rechts im Blog zeigt das auch ganz deutlich. Immer wieder habe ich am Blog eine Nachlese zu den einzelnen Themen geschrieben, die am Dienstag von einer großen Community in Höchstgeschwindigkeit behandelt wurden. Die Teilgeber/innen waren aktiv, ich habe gesammelt, nachgelesen und versucht, für mich selbst eine Struktur zu finden, Zusammenhänge herzustellen. Ich wusste, wenn ich den #followerpower anzapfen wollte, dann gab es den #EDchatDE als Hashtag.

Quelle: Pixabay (CC0)
Nach den Ereignissen der letzten Zeit, also dem Ausstieg aus dem #EDchatDE und allem was davor und danach passiert ist, habe ich nach einem neuen Hashtag gesucht. Unter dem alten möchte ich nicht mehr teilgeben. Mir kommt das nicht authentisch vor. Hier wird Wasser gepredigt und Wein getrunken (oder umgekehrt). Ich kann mich – und Reaktionen aus der Community haben es gezeigt –mit dem Hashtag nicht mehr identifizieren. Ich möchte hier nur den Blogpost Mein Abschied vom #EDchatDE von Bob Blume (@blume_bob) anfügen, der mir aus dem Herzen spricht. Und – gerade ganz aktuell – natürlich auch den Beitrag Analoge Machtspiele von Philippe Wampfler (@phwampfler) in der Freitag (@derfreitag), den ich nicht teilen kann, da er ein Abo voraussetzt:
Philippe trifft den Nagel auf den Kopf:

Quelle: YouTube

Es ist nicht authentisch, was hier gepredigt und gelebt wird. Das ist nichts für mich. Das bin nicht ich. Nun, aber dennoch hätte ich gerne einen Hashtag, mit dem ich mich identifiziere. Und anderen geht es gleich. #BayernEDU wurde gegründet, ebenso ging vor kurzem der #relichat (@relichat) an den Start, der #BIBchatDE (@BIBChatDE) folgt. Das Konzept ist ähnlich dem Konzept des #EDchatDE. Man trifft sich zu einer gewissen Uhrzeit und tauscht sich aus. Nun, aber eigentlich ist mir das zu wenig. Und anderen auch. Wir wollen in die Tiefe gehen. Wir wollen uns nicht mehr nur auf Schriftzeichen, Verlinkungen beschränken. Wir wollen offen sein für Neues, für Alternatives, für Kreatives und vor allem Kritisches.

Quelle: Pixabay (CC0)
Wir, ja, das sind die Bildungpunks – und ich mag den Ausdruck. Es hat was Disruptives. Wir, das sind Alicia (@aliciabankhofer), Ines (@seni_bl), Monika (@M_Heusinger), Ines (@Ines_MueVo) und Christine (@iqberatung), wir waren Moderatorinnen und Teilgeberinnen des #EDchatDE. Und nun haben wir ein neues Projekt, eine Vision, die ganz konkret geworden ist. Es wurde nichts verheimlicht. Wir sind auf der Suche nach einem neuen Hashtag. Die Community hat uns Vorschläge gemacht. Alle wurden berücksichtigt, aber nicht alle werden zur Abstimmung gestellt (weil sie vergeben oder anders genutzt werden). Die Community entscheidet über einen neuen Hashtag. Ganz offen und transparent. Morgen kann damit begonnen werden – bis 23.03.2017 geht die Abstimmung und dann haben wir wieder ein einendes Element. Dabei wollen wir kritische Köpfe vereinen – Punks, Emos, Snobs und Geeks, oder so ähnlich. Und wir laden alle ein, an Beitragsparaden teilzunehmen und teilzugeben. Keine Blogparaden, denn das reicht zu wenig weit. Es können Videos eingereicht werde, oder Sketchnotes, Infografiken oder Texte. Vielleicht auch nur einzelne verbundene Tweets. Nach Möglichkeit unter einer Creative Commons-Lizenz. Über das Thema stimmt die Community ab.

Ob das funktioniert? Wir wissen es nicht. Aber wir probieren es aus. Und die Vorbereitungen im Hintergrund haben aus sechs sehr unterschiedlichen Köpfen ein richtiges Team gemacht, das sich die Arbeit geteilt hat. Wir haben kollaboriert, kommuniziert, kritisch gedacht und waren kreativ.

Quelle: Pixabay (CC0)
Das macht mich glücklich, denn unser Blog, der morgen online geht, ist ein Produkt der sagenumwogenen 4C oder 4K oder wie auch immer. Wir versuchen Offenheit und eine kritische Haltung (vor) zu leben. Und wir freuen uns auf die Reaktionen der Community, auf die Zusammenarbeit, die Kommunikation, die kritischen und die kreativen Stimmen.

Wir freuen uns auf euch. Ich freu mich auf euch!

Sonntag, 19. Februar 2017

#EDchatDE gibt es als Buch: ein offener Post

In den letzten Wochen seit der Bekanntgabe, dass es ein Buch zum #EDchatDE geben wird, habe ich so einige nicht ganz nette Nachrichten dazu bekommen. Der Ton war rau. Und das war er auch auf Twitter selbst. Die Teilgeber/innen zeigten sich über die Veröffentlichung enttäuscht, verärgert, erfreut, überrascht, genervt – oder alles zusamen. Vielen waren begeistert, andere fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Weil mir selbst einige Dinge davon sehr nahe gehen, möchte ich in diesem Blog ein paar Gedanken zum Buch, vor allem aber zum Projekt, loswerden.

Quelle: Pixabay (CC0)

Vorausschicken möchte ich, dass ich hinter der Buch-Idee stand und stehe. Umso mehr, als es sich um ein Buch unter CC-Lizenz handelt, das von einem Schulbuchverlag herausgegeben wird. Ich finde diesen Versuch des Cornelsen-Verlags wirklich erstaunlich. Die Lizenz CC BY-SA bedeutet ja, dass jede/r das Buch kaufen und dann online stellen kann, solange die Lizenz eingehalten wird (CC BY-SA heißt, teilen und weitergeben und verändern unter gleichen Bedingungen). Jeder darf also die Materialien verwenden, muss aber die/ den Urheber/in nennen (inkl. Quelle zum Originaldokument) und die Lizenz (inkl. Lizenztext). Hier noch mal ein schönes, gut gemachtes Video der OER Transferstelle zum Thema:


Video von Blanche Fabri, Melanie Kolkmann, Tessa Moje Jöran Muuß-Merholz für open-educational-resources.de – Transferstelle für OER/ CC BY 4.0

Aber auch mir stößt einiges in diesem Projekt auf. Ich kann die Teilgeber/innen verstehen. Ich kann sie gut verstehen. Auch ich würde mich ausgenutzt fühlen. Das Wort #Geheimprojekt ist dabei ein besonderes Reizwort. Wieso wurde die Community, die ja den Inhalt des Buches beisteuert, nicht informiert? Wieso wurde hier so ein Tamtam (beispielsweise das Werbevideo) gemacht? Nun, ich persönlich denke, dass die Geheimniskrämerei teilweise wichtig war, damit die Idee nicht von jemand anderem „geklaut“ wird. Sie ist innovativ. 

Die Art und Weise, wie kommuniziert wurde, ist aber sicherlich unglücklich. Man hätte die Teilgeber/innen vorab anschreiben können. Sie informieren können, bevor man an die „gesamte“ Öffentlichkeit geht. Man hätte den Teilgeberinnen und Teilgebern eine Ausgabe des Buches schicken können (oder das E-Book gratis zur Verfügung stellen – Danke Christine @iqberatung für diesen Anstoß). Twitternachrichten sind öffentlich. Man muss nicht angemeldet sein, um sie lesen zu können. Eine Erlaubnis, sie weiterzuverwenden, braucht es also nicht. Aber es bedarf Kommunikation. Und gerade diese Kommunikation ist mächtig in die Hose gegangen. Ich kann es nicht anders sagen. Man hätte informieren können. Man hätte aber zumindest auf die Kritik reagieren können/sollen/müssen. Hätt i-wär i – tät i. Vereinzelt wurde das gemacht, aber eben nicht von allen. Mache ich jemandem einen Vorwurf? Nein, denn wir sind alles Individuen, die individuell entscheiden können.

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Wir haben uns jede/r dazu entschieden, am Buchprojekt mitzumachen. Aus unterschiedlichen Beweggründen, meine ich. Vielleicht auch nur, weil die anderen Teammitglieder mitgemacht haben. Uns wurde von den beiden Herausgebern von der Idee erzählt, vor allem von der Tatsache, dass das Buch unter CC-Lizenz stehen wird. Wir waren alle, so mein Eindruck, von Anfang an Feuer und Flamme. Ein offenes Format, ein offenes Buch, eine offene Lizenz, ein Schulbuchverlag. Es sollte ein offenes E-Book geben. Das wurde auch so zugesagt. Und irgendwie gingen wir Moderatorinnen und Moderatoren alle davon aus, dass Buch und E-Book gleichzeitig herauskommen und das E-Book kostenfrei oder zumindest bedeutend günstiger als das gedruckte Buch sein würde. Können die Teammitglieder alle so irren? Ich jedenfalls war über die Ankündigung des gedruckten Buches ohne E-Book genauso überrascht wie das übrige Team. Ich hab mich geärgert.

Wir hatten im Sommer alle innerhalb kürzester Zeit die Kapitel geschrieben. Die Auswahl der Themen und der Tweets erfolgte durch den Verlag. Unsere Aufgabe lag darin, die Tweets in einen Kontext zu bringen. Die ersten eingereichten Beiträge von Urs (@urshenning) und mir waren dabei falsch, also entsprachen nicht den Vorstellungen. Ein Missverständnis? Möglich. Ich meine aber, dass auch hier die Kommunikation nicht gestimmt hat. Wir wurden mit Informationen versorgt, aber irgendwie lückenhaft. Vielleicht wurde vorausgesetzt, dass wir alle eh das Gleiche verstehen. Vielleicht wurde im Stress übersehen, dass wir nicht alle die gleiche Wissensbasis haben. Jedenfalls gab es auch im Entstehungsprozess zahlreiche Kommunikationsprobleme. Fragen wurden beim Auftreten per Mail gestellt und beantwortet. Ich hatte immer wieder das Gefühl, ein Mail nicht gelesen zu haben. Ich hatte das Gefühl, nicht alle Mails zu bekommen.

Vielleicht hätte ein Treffen #irl (danke @ma_y für den Hinweis) oder auch ein virtuelles (via Skype oder so) geholfen. Es lässt sich nun mal nicht alles über E-Mail und Direktnachrichten auf Twitter lösen. Und manchmal ist da das geschriebene Wort auch missverständlich. Ich bin mir zwischendurch wie eine Ausführende vorgekommen. Ich dachte immer, wir seien ein Team von gleichberechtigten Erwachsenen, wo alle gemeinsam und eben gleichberechtigt an einem Buch arbeiten. Nun, ich denke nach dem Buchprojekt, wir hatten die zwei Herausgeber und die anderen, die ausgeführt haben. Im Prozess des Schreibens ist mir das so nicht aufgefallen, retrospektiv aber schon. Ich ärgere mich vor allem sehr über Mails und Nachrichten, die mir das Gefühl geben, ein Lehrling (Azubi) zu sein. Du sollst nicht… Tu nicht… Mach… Ignorier… Und ein individuelles Vorgehen wird verurteilt. Außer es kommt von den Herausgebern. So haben wir als Team beispielsweise vom Werbefilm nichts gewusst. Idee und Umsetzung sind absolut genial. Eine kurze Info hätte gereicht. Ich hätte nichts dagegen gehabt. 

Quelle: Pixabay (CC0))

Wir sind Individuen. Wir sind Teilgeber/innen. Wir sind ein Team. Nicht nur die Moderatorinnen und Moderatoren und die Übersetzer/innen und die Tweetsammlerinnen. Wir alle. #EDchatDE lebt von der Community. Er lebt von unseren individuellen Ansichten und Ideen und Erfahrungen. Und ich finde es schade, dass es jetzt so was wie eine Lagerbildung gibt. Es allen rechtzumachen, funktioniert nie. Aber Kritik zu ignorieren, funktioniert auch nicht. Deshalb finde ich die Rezension von Philippe Wampfler (@phwampfler) und den Blogpost von Matthias Förtsch (@herr_foertsch) so schön. Sie zeigen, dass Kritik gut ist, dass man Kritik ernst nehmen soll. Dass man sich auch auf Diskussionen einlassen soll. Man kann daraus lernen. Und (Danke Peter @JochumPeter, weil du es gesagt hast) ich denke, wir sollten das Buch als Lernprozess sehen. Mit allen positiven und negativen Erfahrungen und Aspekten. Das nächste Mal machen wir es besser. Aber wisst ihr: Das Buch ist gut, denn wir erreichen damit viele, die wir sonst nicht erreichen können. Die Kapitel sind kurz und gut lesbar. Sie ermöglichen auch jenen, die wenig mit dem Thema zu tun haben, einen Einblick. Durch das offene Format können die Materialien auch für die Lehre und den Unterricht sowie für Fortbildungen verwendet und adaptiert werden. Das war meine Motivation, am Buch mitzuarbeiten.

Ich werde deshalb meine Kapitel, wie Monika (@M_Heusinger) es am Blog gemacht hat, auch noch öffentlich zur Verfügung stellen. Sobald geklärt ist, wie ich sie genau attribuieren muss. Und am liebsten zum OER-Festival am 31. Mai in Graz.

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PS: Eines muss ich noch erklären: Im Verzeichnis der Teilgeber/innen am Ende des Buches stehen nur jene, deren Tweets nicht direkt (mit Bild, Name, Text und Datum) eingefügt sind. Also: Wenn ihr hinten nicht drinnen steht, dann heißt das nicht, dass eure Ideen und Beiträge nicht übernommen wurden. Danke Judith Erlmann (@juerlb) für diese wichtige Klarstellung!